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Scheitern und Neubeginn

Es ist nicht schön, wenn man sein eigenes Scheitern eingestehen muss. Die Familie war sehr froh, dass ich endlich mit dem Rauchen aufgehört hatte und etwas gesünder leben wollte. Etwa drei Wochen hatte ich es durchgehalten und dann war leider Schluss.

Die Gründe waren vielfältig. Eine gewisse Rolle hat sicherlich der Verlust der sozialen Kontakte am Arbeitsplatz gespielt. Da ich im Büro nicht rauchen konnte, hat man sich immer in einem Raucherraum getroffen. Da sich in einen solchen natürlich keine Nichtraucher verirren, sind die Raucher praktisch völlig unter sich. Wenn man sich dann mal überlegt, zu wem man auf der Arbeit Kontakt hat, dann waren dies bei mir fast ausschließlich Raucher. Als ich auf Entzug war, konnte ich nicht mehr in den Raucherraum gehen und verlor so fast alle Kontakte (vorübergehend). Irgendwann hatte ich dann dem inneren Schweinehund nachgegeben.

Zwei Tage nachdem ich wieder (wirklich nur ein paar Zigaretten) geraucht hatte, ging es mit dem Fußball für ein paar Tage nach Mallorca. Klar, dass man da am Abend auch weg geht. Leider gibt es dort in den Kneipen kein so weitgehendes Rauchverbot wie bei uns. Auf Mallorca können die Lokale selbst entscheiden, ob sie ein Raucherlokal sein wollen. Es liegt natürlich nahe, dass es kaum Lokale gibt, wo nicht geraucht werden darf und so bin ich endgültig rückfällig geworden.

Dabei hatte ich die ganze Zeit ein schlechtes Gefühl. Seit ich 40 bin gehe ich immer zur Vorsorgeuntersuchung. Letzte Woche war es mal wieder soweit. Der Blutdruck und die Cholesterinwerte waren jenseits von Gut und Böse. Um die Risikofaktoren zu senken, habe ich beschlossen, die Ernährung umzustellen und das Rauchen endgültig sein zu lassen. Ich habe es wohl gebraucht, dass mir der Arzt mal in den Allerwertesten tritt.

Nun bin ich wild entschlossen, das Vorhaben dieses Mal zum Erfolg zu führen. Die Voraussetzungen sind auch besser, da ich Anfang November den Arbeitsplatz wechseln werde. Meine Kontakte am Arbeitsplatz gehen mir also so oder so verloren, so dass zumindest hier keine Gefahr besteht, dass ich wieder zum Rauchen verleitet werden könnte. Dreckig geht es mir momentan aber trotzdem. Ich hoffe Ihr drückt mir erneut die Daumen.

powersmoky am 03.10.10 21:54

Kommentare

Johannes | 07:15 Uhr - 04.10.10hi Powersmoky!

immerhin hast Du Dein vorhaben nicht ganz zu den akten gelegt und bist uns treu und erhalten geblieben, find ich super!!!

eine gute vorbereitung und ein wechsel des arbeitsplatzes ist für einen neustart in ein rauchfreies leben sicherlich von großen vorteil!

mittlerweile sind mir nichtraucherlokale auch deshalb lieber, weil mein gewand nicht nach 2 minuten fürchterlich stinkt. ekelig ist das!

neuer versuch, neues glück!
ich drück Dir die daumen!

glg
Johannes

S4P | 09:52 Uhr - 11.10.10Mehrere Monate durchgehalten und dann doch wieder schwach geworden. Das finde ich suuuper schade, echt.

Ich selbst bin jetzt bei Tag 40 glaube ich und bin trotzdem noch nicht glücklich und zufrieden damit, denn ich befürchte dass es mir irgendwann genau so geht wie dir. Um mit Allen Carr zu sprechen, das kleine Nikotinmonster ist was längst besiegt, aber das große Monster im Kopf ist noch da. Diese verdammte Überzeugung, dass die lange vor mir liegende Zeit ohne Zigaretten in irgendeiner Weise entbehrungsreich, gar freudlos sind, müssen wir unbedingt besiegen. Die reine Methode Willenskraft ist zum Scheitern verurteilt, irgendwann, und sei es nach 10 Jahren, kommt für jeden der schwache Moment. Noch habe ich keine Idee, wie ich das Riesenmonster, die Gehirnwäsche, überwinden kann.

Johannes | 14:32 Uhr - 15.10.10möchte entschieden widersprecehn, daß meine zeit ohne dem stinkenden dreck "entbehrungsreich" geworden ist. die meiste zeit erlebe ich (zum glück!!!) einen zugewinn an lust und genuß und freiheit.

das "monster" zeit sich bei mir (leider doch immer wieder) in der form, daß mir der augenblick nicht zu genügen scheint. immer wieder sucht mich illusion heim mit rauchdreck wäre es "besser". daß dies nicht stimmt ist für mich sonnenklar.

in einem albtraum unlängst (zum glück erst der erste dieser art) habe ich wieder mit dem rauchen begonnen. abgesehen von einem riesig schlechten gewissen: mir war sauübel, es hat absolut nicht "geschmeckt" und das gefühl, daß etwas "fehlen" würde war noch verstärkt.

meine sucht-suche habe ich verstärkt, sicher "fehlt" mir etwas in meinem leben, verfolgt mich eine ungestillte sehnsucht. wonach, das ist die frage, die mich beschäftigt und an der ich arbeite.

ich finde es lustvoll diese suche OHNE rauchdreck bestreiten zu dürfen. diesen befreiungsschlag zu missen, DAS wäre für mich entbehrung.