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Tag 168/B Die Leere bleibt

Super, schon 168 Tage, und davor 104. Mein Sparschwein hat nun schon einen 4stelligen Eurobetrag. Die Sonne scheint, ich laufe regelmäßig, was mir Freude macht. Soweit so gut. Aber, liebes Rauchertagebuch, ich habe dich nicht angefangen um mir hier was vorzulügen oder für beginnende oder künftige Nichtraucher besonders ermutigende Sprüche abzulassen. Hier wird geschrieben wie es wirklich ist. Egal wie widersprüchlich sich die Stimmungen von einem auf den anderen Tag ändern können. Und die Stimmung ist mäßig. Irgendwie glaube ich doch nicht daran, ohne weitere Unfälle über die nächsten Jahre zu kommen, vielleicht ist der nächste Rückfall näher als ich mir das vorstellen kann. Ein bisschen Traurigkeit, eine Prise Frust, ein bißchen das Gefühl, was verändern zu wollen, gemixt der richtigen Umgebung, schönem Wetter. Sollte das mal zur selben Zeit am selben Ort zusammenkommen wird es brandgefährlich. Und wenn sich die Umstände partout nicht einstellen wollen, reicht zur Not auch die Prise Frust oder das bisschen Traurigkeit alleine. Manchmal fehlen mir die Dinger ganz schrecklich, wie eine Jugendliebe. Während diese aber für immer verloren ist, warten die Zigaretten an der Tankstelle auf mich. Wie viele Jahre muss ich eigentlich noch warten, bis ich von solchen "romantischen" Verwirrungen geheilt bin? So ein Mist.

S4P am 30.05.11 16:19

Kommentare

Johannes | 09:47 Uhr - 31.05.11lieber S4P!

beiträge wie dieser hier sind wohl der beste grund für mich, daß ich mich in diesem blog tummle. vom ganzen herzen danke für diese offenen und ehrlichen worte von Dir.

das war mein dank, ein statement folgt...

lieben gruß
Johannes

Johannes | 21:13 Uhr - 01.06.11„Die Leere bleibt“ hast Du getitelt und mir wäre fast danach diesen satz durch ein rufzeichen zu ergänzen und zu meiner antwort auf Deinen eintrag zu machen. ich machs mir nicht ganz so einfach.

ein kurzplädoyer für die leere: sie hat auch sehr viel gutes, schafft platz für neues, für bewegung, für entwicklung (stillstand ist oft tod!). vor 10 jahren ca. war ich im „vollen“ einzementiert, nahe darin darin zu ersticken, unfähig für eine bewegung nach vorne. ich habe entrümpelt und zwar alles: von den t-shirts bis zum job, vom geschirr bis zur beziehung, von der frisur bis zu den urlaubsdestinationen (u.v.a.m.). nenn „die leere“ doch „tabula rasa“, das nimmt vieles an ihrem ursprünglichen schrecken.

wenn in der leere was fehlt (wie z.b. eine jugendliebe), dann kann dies verschiedene gründe haben (und ebensoviele fettnäpfchen, in die ich jetzt steigen kann...): gabs eine solche jugendliebe nie, dann kann meine anektote vielleicht heilsam sein. ich hatte eine jugendliebe, wurde von ihr jedoch nicht erhört und traf sie 10 jahre später. da war ich plötzlich versucht einer höheren gewalt dafür zu danken nie von meiner jugendliebe erhört worden zu sein... war die jugendliebe da, ist nun fort und Du bist deshalb traurig, so ist Deine trauer ein wichtiger teil des abschiedes.

zurück zur sucht. „Irgendwie glaube ich doch nicht daran, ohne weitere Unfälle über die nächsten Jahre zu kommen, vielleicht ist der nächste Rückfall näher als ich mir das vorstellen kann.“ Du machst Dir ja echt denn irren stress, wenn Du von den „nächsten jahren“ in bezug auf rauchfreiheit sprichst. bei mir wusste ich von anfang an: DAS funktioniert nicht. die NÄCHSTEN JAHRE oder gar NIE WIEDER zu rauchen ist für mich unvorstellbar, das ist ja ein gigantisches vorhaben! viiiieeel zu riesig für mich! ich hab mit meiner nichtrauchberaterin (VOR meinem rauchstopp) darüber gesprochen und sie meinte ich solle es „einen probetag“ ohne rauchgift probieren. an diesem „probetag“ habe ich mir gesagt „HEUTE rauche ich nicht!“. „heute“ ist ein überschaubarer zeitrahmen und ich habe mir vorgenommen bis auf weiteres „heute“ nicht zu rauchen. (und „heute“ war bis dato 532 mal :-)).

einschub: mir ist ganz sicher nicht die nichtraucherleutung widerfahren, ganz und gar nicht und auch mich reitet der zigarettenteufel manchmal ganz gewaltig! beispiel gefällig? unlängst, als ich gerade die türe zur wohnung aufsperre, spielt sich folgender dialog in mir ab:
-- „aber ein ganz gewaltiger kick wär‘s schon, eine L.S., JETZT, der freiheit zuliebe, heimlich, muß ja niemand wissen...!“
„nur ,eine‘ und ich bin wieder drauf, nein das will ich nicht!“
-- „na was machts schon, wenn Du wieder drauf bist, ist ja DEIN leben. wenn du wie ein held lebst, dann machts auch nichts wenn du an dem zeug krepierst. scheiss drauf, vergiss die sorgen, nimm dir einfach eine!!!“

weiter im text: „Ein bisschen Traurigkeit, eine Prise Frust, ein bißchen das Gefühl, was verändern zu wollen, gemixt der richtigen Umgebung, schönem Wetter.“ ,schwachsinn!!!‘ bin ich versucht zu sagen und doch verstehe ich Dich nur zu gut! doch mit nur einem funken verstand: was hat , ein bißchen das Gefühl, was verändern zu wollen‘ damit zu tun wieder in alte selbstmörderische muster zu verfallen? ich beantworte diese nicht ausschließlich rhetorische frage, als wäre sie an mich gerichtet. für mich hat es mit einer gewissen konditionierung zum einen und auch sehr viel mit von (werbe)filmen abgeschauten mustern zu tun. tolle stimmung = zigarette. entspannung = zigarette. jetzt will ich mich belohnen = zigarette. das funktioniert doppelt gut. zum einen hat philip morris & co unzählige milliraden in werbung investiert um diese illusion entstehen zu lassen. zum anderen sind bei fast 25 jahren raucherleben (bei 40 stk./tgl.) sehr viele unwiederbringliche erlebnisse mittels klasssischer konditionierung an zigarettenkonsum gekoppelt.

„ein bißchen das Gefühl, was verändern zu wollen.“ wahrscheinlich steckt darin die wahrheit. der mut zur veränderung gibt auch dem hier&jetzt seine daseinsberechtigung. zum-ersten-mal-im-leben-in-einem-ford-mustang-cabrio-von-los-angeles-nach-las-vegas-fahren riecht verdammt nach midlifekrise, geschah bei mir erst unlängst (im februar) und war ein durch und durch zigarettenfreies erlebnis (nebstbei erwähnt sogar durch zigarettenfreiheit finanziert...).

verändern wir mal den blickwinkel, vielleicht hilft das: „Ein bisschen Traurigkeit, eine Prise Frust.“ ok, may happen, was tun wir also? nehmen wir einen hochdosierten schlaftabletten-alkoholmix ein? wechseln wir das monatsgehalt in münzen und stecken es in einen spielautomaten? oder schießen wir uns eine portion heroin in die vene? brandgefährlich? (hoffentlich!) nicht für uns!!! doch als sucht betrachtet sind die zigaretten wohl um nichts besser!

gibt es „heilung“ von romatischen „verwirrungen“? falls ja: wären da nicht große teile der literatur und des musiksongschaffens ernsthaft in gefahr? die sucht als suche, ich kanns nicht mehr hören und doch is was dran.

mir ist Deine leere nicht unbekannt und ich finds spannend, was für tolle neue sachen darin jetzt platz haben....

bleib(t) („heute“) sauber!

Johannes

Sassihbc | 13:51 Uhr - 03.06.11Schön, mal wieder gute und sehr tiefsinnige Beiträge von Dir zu lesen! Diese halten mich trotz des vielen Spams und der kurzen Besucher hier (die eh niemals wieder hier erscheinen) immer noch an dieser Seite fest. Es ist immer wieder ein Genuss Deine Meinung zu lesen und ich stelle auch immer wieder fest, dass wir doch sehr ähnliche Situationen erleben, die einen immer noch dazu verleiten sich dieses Nervengift antun zu wollen. Die Leere wird tatsächlich mit neuen spannenden Sachen gefüllt und lässt einen das Leben aus anderen Blickwinkeln betrachten. Dennoch muss auch ich jeden Tag aufs NEUE aufpassen und wachsam sein...


Habt alle ein wunderbares, rauchfreies und gut duftendes sommerliches Wochenende!

Sassi

S4P | 10:09 Uhr - 08.06.11Lieber Johannes,
Danke für die ganzen Anregungen. Komme nur leider nicht dazu, angemessen zu antworten oder ich finde nicht die richtigen Worte. Ich versuche ganz stark nur von Tag zu Tag zu denken. Oder auch an andere Süchte, die ich Gott sei dank mal nicht habe. Z. B. Alkohol. Ich denke an jemand wie David Hasselhoff, der doch eigentlich beste Voraussetzungen hat, ein Top Leben zu führen, und trotzdem immer wieder zurückfällt. Das kann niemand verstehen, außer der der süchtig ist.
Wieder anzufangen wäre offensichtlich schwachsinnig. Abgesehen davon, wieder bei 0/C anfangen? Keine Lust, Wie oft sollte ich dann noch anfangen bis 0/Z oder 0/ZZ ??