tag 139 - 50 gramm und anderes
heute sind es bereits ziemlich genau 50 gramm rauchinhaltsstoffe, die ich meiner lunge seit meinem rauchstopp erspart habe. eine beachtliche menge. ich möchte mir lieber nicht ausrechnen, wieviel ich meiner lunge in den 25 jahren zuvor zugemutet habe. ich bin froh drüber eine vergleichsweise intakte lunge zu haben. und ich bin stolz, daß ich aufgehört habe zu rauchen.
wie sehr mein ganzer kopf noch immer voller suchtteufel ist, habe ich erst dieser tage wieder gemerkt. eine leichte erkältung ist im anmarsch und macht sich u.a. durch leichtes kratzen im hals bemerkbar. wie reagiert mein suchtteufel? er macht mir folgenden vorschlag: rauch doch eine starke zigarette, das lindert den hustenreiz. und wenn das nicht hilft, dann rauch doch gleich noch eine. solcher schwachsinn schwirrt immer noch in meinem kopf herum.
auch über andere dinge denke ich dieser tage intensiv nach: ist nicht meine zigarettensucht eine sucht wie jede andere? könnte ich mich nicht genauso mit drogen-, spiel-, fett-, kauf- oder alkoholsüchtigen über die bewältigung meiner sucht unterhalten? was ich eigentlich damit sagen will: ich denke immer mehr, daß mein problem nicht die zigaretten sind. es ist wohl mehr neigung oder zufall, daß sich meine sucht die zigaretten und nicht den alkohol oder das glücksspiel ausgesucht hat.die ausprägung der sucht ist eine sache, die wurzel des problems eine andere, wie ich meine eine in vielen fällen recht ähnliche.
mein raucher- und mein nunmehriges exraucherdasein erfüllten/erfüllen beide eine recht bequeme funktion, ich konnte mich stets als opfer fühlen. zuerst das opfer der sucht, das opfer der zigarettenwerbung und der zigarettenindustrie und nunmehr das opfer des entzugs, der entwöhnung, des größeren hungers und der gereiztheit. ich laufe also da wie dort einmal mehr der verantwortung davon. es wird wohl endlich zeit für mich verantwortung nicht nur als bürde sondern vor allem als chance zu sehen.
ich gebe zu, daß ich mich schon nach anderen möglichkeiten einer sucht umgesehen habe. wassertrinken wär eine möglichkeit, doch das hab ich noch nicht ganz geschafft. mein wandergeselle vom wochenende hat mir von einem menschen erzählt, der nach ausdauersport regelrecht süchtig wurde. für mich könnte ich mir das als option ganz gut vorstellen. einen richtigen drang mich zu bewegen habe ich in den letzten wochen ZUM ERSTEN MAL IN MEINEM LEBEN gespürt. das find ich seeehr spannend!
rund 4,5 monate bin ich nun sauber und ich merke, daß es noch ein langer herausfordernder weg zum endgültigen sieg über meine sucht wird!
bleibt sauber!
Johannes


Kommentare
Sassihbc | 13:23 Uhr - 04.05.10Hallo Johannes,
ich habe mich heute Morgen mit Bekannten beim schwimmen unterhalten und die sind nun bereits 4,5 Jahre rauchfrei und die Beiden verspüren ab und wann immer noch die Lust eine zu rauchen. Ich denke das wird sich wohl niemals ändern, solange es um einen herum auch noch ab und wann Raucher gibt.
Ich habe mich schon dabei ertappt einen Mitarbeiter nach draussen zu begleiten und seinen Qualm nicht mal als störend zu empfinden, eher als ein weni gangenehm...
Das sagen mir die Beiden vom schwimmen auch.. Sie hätten nicht einmal ein Problem wenn jemand bei ihnen mal eine Zigarette raucht. (Gut so weit bin ich nicht und werde ich wohl auchniemals werden)
Ich glaube man macht ganz schön viel komische Phasen beim Abgewöhnen durch aber die Lust wird sich wohl niemals ändern.
Schönen rauchfreien und gut duftenden Tag!
Sassi
Iris | 21:37 Uhr - 04.05.10Hallo Johannes,
du hast Recht. Ausdauersport macht süchtig. Das kann ich nur bestätigen. Darum befinde ich mich momentan auch wieder auf Entzug. Es ist sogar grausamer als der Nikotin Entzug. Aber dieser Enzug hat ja irgendwann ein Ende und ich kann wieder meiner Sucht nachgehen.
Die Haupsache ist, ich gebe der Nikotinsucht keine Chance mehr.
Die Gedanken ans das Rauchen werden immer seltener, aber ich denke auch sie werden uns ein Leben lang begleiten.
LG
Iris