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tag 134 - todessehsucht und mut zum leben

Tintin hat die plausible vermutung geäußert, daß meine aggression etwas mit einer todessehnsucht zu tun haben könnte. ich will dazu etwas ausholen.

vor 20 jahren hätte ich gemeint: todessehnsucht? so ein schwachsinn!! mittlerweile kann ich mir recht gut vorstellen, daß sowas bewußt und/oder unbewußt durchaus existieren kann. und zwar nicht nur bei klassischen selbstmordkandidaten.

dennoch glaube ich, daß es in meinem falle zu weit gegriffen wäre von todessehnsucht zu sprechen. es ist mehr ein seltsames begehren mich selbst zu bremsen, zu lähmen, zu betäuben, zu fixieren um nicht anzuheben. zigaretten waren dazu ein taugliches mittel: sie bremsen, lähmen, betäuben, fixieren, mehr noch: sie machen krank, pleite, stinkend und sozial oft nicht kompatibel.

nun, da ich diese bremsklötze zigaretten von meinem lebensvehikel entfernt habe, also mehr verantwortung für mein (über)leben übernommen habe, heult mein lebensmotor kraftvoll auf und weiß aber eins nicht: wohin solls gehen?

als süchtiger kettenraucher habe ich alle verantwortung aufs rauchen abgeschoben: ich könnte ja dies und das machen, doch leeeiiiider, ich kann nicht, ich bin süchtig. nunmehr habe ich viel mehr, ja eigentlich fast alle möglichkeiten in meinem leben, nur eines fehlt mir noch: eine klare entscheidung für eine richtung! wohin solls gehen? ohne klares ziel ist bekanntlich jeder schritt ein schritt in die falsche richtung.

ich hadere mit der verantwortung. ich will noch viel machen in meinem leben, will vieles ändern, doch es fehlt mir an mut, selbstvertrauen und entschlossenheit für klare entscheidungen. ich bin befreit (von den zigaretten) und dennoch stehe ich still. das macht mich wütend, das macht mich waaaaahnsinnig aggressiv.

ich fühle mich kraftvoll genug um noch vieles zu unternehmen. mir steht nicht mehr der sinn nach selbstbetäubung. fast automatisch habe ich mit meinem zigarettenstop auch meinen alkoholkonsum drastisch reduziert. ich habe sooo viel energie und doch fehlt mir (noch!!!) ein plan, auch der mut zu einem plan.

hmmm, wenn ich jetzt länger drüber nachdenke, dann kann ich Dir Tintin doch recht geben. ja, das war eine todessehnsucht. wahrscheinlich bin ich momentan drüber zornig, daß ich ein wenig vergessen habe zu leben...

bleibt sauber!!!
Johannes

ps: zigaretten sind ein gefährliches teufelszeug!!!

Johannes am 29.04.10 08:41

Kommentare

Sassihbc | 09:58 Uhr - 29.04.10Hallo Johannes,

in vielen Deiner Aussagen finde ich mich wieder und in der meiner Meinung nach wichtigsten:"ich habe sooo viel energie und doch fehlt mir (noch!!!) ein plan, auch der mut zu einem plan".
Meinen Raucherstopp habe ich dieses Mal von langer Hand an vorbereitet und habe mich langsam aber sicher auf den Termin mental eingestellt.Schliesslich wollte ich endlich aufhören mit den absolut schädlichen, stinkenden, alt-, krank-, hässlich-, und tod- machenden Dingern!! Somit setzte ich mir das Ziel wenigstens 3 Kilo weniger zu wiegen als ich eh schon wog. Das hiess von 59 Kg auf 56 Kg.... Gut derzeit habe ich mein Ziel absolut verfehlt aber ich mache so viel Sport wie nie zuvor in meinem Leben und fühle mich einfach GIGANTISCH! Zwar habe ich 6 Kg zugenommen und wenn ich darüber nachdenke stimmt es mich traurig, dennoch gebe ich nicht auf! Nun habe ich zwar 9 Kg vor mir aber somit habe ich reichlich zu tun um genau mein Ziel zu erreichen. Das wunderbarste was ich aber derzeit erreicht habe: " ICH NEHME NICHT MEHR ZU!" Also kann es doch jetzt nur noch bergab gehen!!!!!!! Die Belohnung kommt ganz bestimmt!

Beim letzten Mal hatte ich exakt die gleichen Schwierigkeiten.. Keinen Plan, kein weiteres Ziel... Und es kam wie es kommen musste ich liess den Kopf hängen, wurde immer fetter und dachte das nur das Rauchen mich schlank hält und ich fing natürlich wieder an....

Als ich letzte Woche gelesen habe das ein Raucher tatsächlich 200-400 Kcal mehr verbrennt konnte ich es nicht fassen. Aber der Grund ist absolut erschreckend. Der Magen und der Darm eines Rauchers arbeiten gegen die Verletzungen an und daher ist der Grundumsatz höher. Das hat mich so erschrocken das plötzlich ich MEGA-stolz auf mich war einen neuen rauchfeien Weg gefunden zu haben.


Nicht jeder Mensch setzt sich die Ziele über den Sport bzw. über die Ernährung. Aber es gibt bestimmt auch Ziele die Dich glücklicher werden lassen und Deine Gedanken von dem Teufelszeug ablenken. Du gehst doch am We wandern und Du freust Dich doch schon sehr darauf. Das kann man auch öfters machen...;-)

Ganz lieben Gruß

Sassi

Tintin | 15:49 Uhr - 29.04.10schade, zuwenig zeit, angemessen auf so ein grosses thema einzugehen.

trotzdem ein paar kurze reaktionsfetzen:

a) kraftvoll, energiegeladen: geht mir auch so. und auch wenn man dafür noch den kompass finden muss, wir LEBEN! für mich war das rauchen auch immer ein anlass, allein zu sein, mich zurückzuziehen. ich bin optimistisch, dass sich aus dem nichtrauchen bessere beziehungen ergeben werden, der nährboden für ein zufriedenes dasein von uns sozialen wesen.

b) wütend wegen verpasstem: kann man sein, oh ja. und was wir doch alles verpasst haben durchs rauchen bzw. den grund des rauchens. nur... deswegen zu hadern bringt sowas von nichts, dass man es auch gerade sein lassen kann und sich deswegen freuen auf das, was kommt (sommer, schwimmen, gigathlon(!), MUSE kommt nach bern, ...)

c) zigaretten sind teufelszeug: einerseits ja, andererseits auch ja. ich hasse sie. ich verachte die leute, die damit grosses geld machen. ich bin so froh, dass ich nicht mehr ihnen gehöre. ich hoffe inbrünstig, dass ich nie mehr ihr sklave werde.

d) gewicht: 1., sassi, hast du recht, du wirst es wieder los werden, das ist belegt. 2. ist eins deiner wenigen kilo ein dermassen winziges problemchen gegenüber einer nikotinsucht, dass du dich mit ihm anfreunden könntest. 3. wer das rauchen besiegt, kann alles schaffen. 4. gefällst du uns ein bisschen rundlicher ganz gut, gell johannes?