tag 133 - meine aggressionen
und wieder sind es meine aggressionen, die mir zu schaffen machen. ursprünglich habe ich diese aggressionen (die ich zum glück selbst als solche erkennen und in kontrollierte bahnen lenken kann) für entzugssymptome gehalten. mittlerweile glaube ich allerdings, daß da wesentlich mehr dahinter ist.
maßloses rauchen (ich habe über viele jahre 40 zigaretten täglich geraucht) hat sicherlich eine sehr autoaggressive, sprich selbstzerstörerische komponente. in den letzten beiden jahren wurde in meiner obersten bewusstseinsebene klar: ich will gesund bleiben und in gesundheit ein höheres alter erreichen. also habe ich mit dem rauchen aufgehört.
aufhören, das klingt recht einfach, ist es aber nicht, das wissen wir hier alle. so wie ein freund von mir meint, daß ganz einfach nur willensstärke notwendig wäre, ist es ganz und gar nicht. hinter meiner sucht verstecken sich eine menge von dingen in meinem leben, die nicht ganz im lot sind.
hinter meinen aggressionen, die sich nunmehr nach aussen und nicht mehr gegen mich selbst richten, spüre ich ein überraschend großes kraftpotential. jetzt haben viele von euch wahrscheinlich die gleiche idee, wie sie meine freundin hatte: sport betreiben!!!
die idee mit dem sport ist ja eine recht gute. zudem habe ich in den letzten wochen ohnehin wieder etwas nachgelassen mit der bewegung und die rache meiner waage war fürchterlich. also hab ich mich auf meinen ergometer gesetzt und bin 45 minuten bei relativ hohem widerstand geradelt. war ein tolles gefühl nachher, doch die aggressionen waren noch immer da.
gestern, nach meiner ergometereinheit, hat es mir gereicht. ich habe mir laufschuhe gekauft und bin zusätzlich zu meiner täglichen fahrradeinheit noch 45 minuten gelaufen. nicht sehr schnell, doch immer hin. heute, meine ergopmetereinheit habe ich schon hinter mir, habe ich muskelkater und noch immer irre aggressionen. mein umfeld lacht schon, weil ich immer die warnung vor mir hertrage, ich sei irre aggressiv.
ich finde es sehr spannend und auch sehr wichtig, was sich da in meinem körper und in meiner seele tut, seitdem ich das selbstvernichtungsprogramm rauchen beendet habe. wohnung, büro, berufliche orientierung, vieles habe ich seit meinem rauchstopp bereits grundsätzlich geändert, scheinbar sind bei mir innen und aussen noch andere änderungen fällig. (meine freundin fürchtet sich schon ein wenig, doch nein, sie ist davon nicht betroffen!)
erst gestern habe ich mit einem exkettenraucher (2 jahre sauber) gesprochen und er hat gemeint. ein zigarettensuchtstopp wäre sinnvoll nur in therapeutischer begleitung machbar. nunja, habe schon einige jahre therapie gemacht und keine allzu große lust das fortzusetzen.
da bleib ich lieber bei meiner selbsthilfegruppe, dem nichtraucherblog, und freue mich auf erfahrungsberichte von euch!
am freitag gehe ich 3 tage wandern, freue mich schon sehr drauf! hoffentlich geht’s mir dann besser!
bleibt sauber!
Johannes


Kommentare
Sassihbc | 12:44 Uhr - 28.04.10Hallo Johannes,
schön wieder viel interessantes über Dich zu lesen!!!!
Was mich an Deinem Beitrag sehr stark fesselt, ist die Tatsache der Aggressionen. Ich bin zwar zu meinem Partner sehr, sehr freundlich (wie imer eigentlich) aber ich merke das ich viel schneller gereizt wirke und seit dem meine Mum wieder raucht (1-2 Ziggis am Tag)bin ich ihr gegenüber schnell mal etwas forscher und auch mal etwas unfair. Was wohl daran liegt, dass ich es überhaupt nicht verstehen kann, nach 2 rauchfreien Wochen heimlich wieder an zu fangen und mich dann auch noch zu belügen. Das es verdammt schwierig ist mit dem Rauchen aufzuhören, wissen wir alle aber wenn man dann wieder beginnt sollte das Lügen nicht sein. Ich habe mir immer gesagt wenn ich es halt nicht schaffe, mache ich einen neuen Versuch. Aber dann zu schwindeln ist der falsche Weg, weil man sich meiner Meinung nach selbst beschwindelt...
Viel Spaß beim Wandern und bleib sauber!!!!
Wir werden am WE mit dem Rad (ca 12 Km eine Tour) zum Maifeuer fahren dort ein wenig die Stimmung geniessen.
Lieben Gruß Sassi
Johannes | 13:03 Uhr - 28.04.10hi Sassi!
danke für Deine rückmeldung!
ich denke, daß lügen sehr stark mit dem rauchen verbunden ist: doch in erster linie belügt sich der raucher/ die raucherin selbst.
ein rauchstopp ist ein guten weg aus dieser lügenwelt auszusteigen. natürlich ist es ärgerlich, wenn nahestehende ihr unehrlichkeit auch nach aussen tragen!
üben wir uns in gelassenheit: ooooohhmmmmmmmm ;)
schöne radtour!
rlg
Johannes
Sassihbc | 15:20 Uhr - 28.04.10Danke Johannes!!!
Heute fahren wir allerdings auch und morgen auch und eigentlich jeden Tag wenn es nicht regnet..;-)
So kommen wir wunderbar an die frische Luft!
Meinst Du tatsächlich das Lügen in Verbindung mit dem Rauchen zu bringen ist??? Ist meiner Meinung nach doch ein wenig zu hart...;-)
LG Sassi
Tintin | 17:32 Uhr - 28.04.10echt schwieriges thema, johannes
du nennst es agression. ich vermutete bei mir immer eine versteckte todessehnsucht (was letztlich aufs selbe rauskommt, wenn die agression gegen sich selbst gerichtet ist).
nur ist die frage: rauche ich, weil ich nicht leben will, oder will ich nicht leben, damit ich rauchen kann?
jedenfalls seit 22 tagen merke ich nichts mehr von dieser gleichgültigkeit. das allein sollte doch reichen zum durchhalten, nicht?
@sassi: rauchen und lügen - ich bin der fleischgewordene beweis für diesen zusammenhang
Iris | 22:28 Uhr - 28.04.10Hallo Sassi,
sei nicht so streng mit Deiner Mum. Ich denke, sie ärgert sich selbst am meisten und man schämt sich einfach seine Schwäche zu zugeben. Ein halbes Jahr nach der Geburt meines ersten Sohnes, habe ich die 1 1/2 Jahre alte Schachtel,die ich meinem Mann zur Aufbewahrung gab,wie eine Geisteskranke gesucht. Nach erfolgreicher Suche habe ich die sich noch in der Schachtel befindlichen, 7 Zigaretten, nacheinander aufgeraucht. Es war herrlich aber ich habe mich sehr geschämt und geärgert. Ich habe dann auch erst heimlich weiter geraucht, bis mein Mann dann eine Schachtel in meiner Handtasche fand. Er sollte sich dort etwas rausnehmen. Ich hatte ganz vergessen, das ich eine Schachtel mit nach Hause genommen hatte, denn ich habe nur auf der Arbeit geraucht. Ich habe mich sehr geschämt.
Johannes:
Ich beneide Dich so sehr. Ich möchte so gerne wieder laufen können und Sport machen, aber ich halte kaum die 3 Std. Arbeit durch. Wegen der ganzen Humpelei bin ich anschließend so geschafft, dass ich mich erst mal hinlegen muss. Meine Hüfte und mein rechtes Bein schmerzen sehr. Alles wegen dem blöden Muskelfaserriss und der daraus entstandenen Humpelei.
Sassihbc | 10:12 Uhr - 29.04.10@Iris: Du hast ja Recht Iris...;-) Ich habe sie ja auch viel zu gern um ihr richtig böse zu sein, dennoch ist da eine Enttäuschung in mir.
Hey Kopf hoch, bald gehts Dir wieder besser. Drücke Dir die Daumen das es ganz schnell vorüber geht!!!!!!!!
Lieben Gruß
Sassi
Tintin | 17:03 Uhr - 29.04.10@Iris - hallo überhaupt :-)
das mit dem heimlich und nur auswärts und schämen usw... mensch, wie ich das kenne!!! tun wir uns das nie nie wieder an, gelle?
wegen der verletzung: gute besserung auch von mir. es wird schon wieder, wie ich aus erfahrung berichten kann (aber wie beim rauchen: rückfallgefahr, nicht mehr zu sehr strapazieren).