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19 monate - don't smoke!

19 monate, das ist neuer persönlicher rekord, und die begeisterung am zählen der monate wir allmählich geringer. immerhin zähle ich dabei vor allem lebenszeit, die wie sand in den händen zu verrinnen scheint. gehts nach meinem wunsch, dann bleibe ich den rest meines lebens frei vom rauchgift. ergo zähle ich mit jedem rauchfreien monat meine restliche lebenszeit herunter... (und es ist sicherlich erbaulicher, wenn ich mich vor allem auf des erlebte erinnerte denn an die dabei verstrichene zeit!).

ich denke oft ans nichtrauchen, erstaunlicherweise immens viel öfter, als ans rauchen. fast werktäglich schaue ich hier in den blog ob's was neues gibt und bin stolz auf mich. raucher in meiner umgebung stehen unter meiner beobachtung und werden von mir für ihr tun meist belächelt bis missachtet. ich bin nunmal "trockener kettenraucher" und das wird mich wie ein brandmahl den rest meines lebens begleiten.

immer wieder sehne ich mich nach einer umbefangenheit im umgang mit rauchgift, doch diese chance habe ich im 18. lebensjahr vertan. sehe ich zigaretten, dann reagiere ich, sei es mit gier oder mit abschau, stets ist es eine starke gefühlsregung. so gern hätte ich, daß mir das zeug einfach gleichgültig ist. so egal wie heroin, kokain, schlaftabletten, schnaps oder glücksspiel. es macht mich traurig, daß diese zigarettensucht auf ewig in mir schlummert und doch ermahne ich mich dann dazu, nicht undankbar zu sein. immerhin könnte (bei meinem ehemaligen zigarettenkonsum) auch recht leicht ein krebsgeschwür in mir nicht loszubekommen sein.

dem rauchgift wird von mir mehr denn je eine unglaubliche macht zugesprochen. zigaretten können in meinen suchtkranken phantasien unendlich viel mehr, als einem zugekoksten tabakwerbefuzzi jemals in seinen kühnsten träumen einfallen könnte. so erkläre ich jedem, daß meine unübersehbare starke gewichtszunahme damit zu tun hätte, daß ich "seit eineinhalb jahren nicht mehr rauche". FALSCH!!! in wahrheit hab ich deshalb zuviel auf den rippen, weil ich zuviel fresse! und NUR DESHALB!!! und fressen tu ich deswegen zuviel, weil irgendwo in meiner hirn-körper-schnittstelle einiges falsch läuft. deshalb habe ich es auch zugelassen, daß ich mich mit zigaretten stark geschädigt habe. rauchen und fressen hat bei mir ziemlich sicher eine sehr ähnliche ursache. doch miteinander hat das nichts zu tun. ein raucher mit lungenkrebs sagt ja auch nicht: "ich habe lungenkrebs, weil ich nicht soviel esse."

mein zigarettenkonsum hat mir unterbewusst sehr lange große angst und sorgen bereitet. ich habe gewusst, daß dies ein sehr ernsthaftes problem ist, habe es allerdings aus großer angst immer wieder verdrängt. vor 1,5 jahren dann, ENDLICH, bin ich dahingehend initiativ geworden, habe mit dem suchtgift aufgehört und einen sehr wichtigen schritt gesetzt. ich habe eines der großen (wenn nicht gar größten) probleme in meinem leben angepackt und arbeite daran es dauerhaft aus meinem leben zu verbannen. dadurch fühle ich mich stark und mächtig stolz!

bei der andauernden krise in meinem geschäft habe ich mir anfangs reflexartig gedacht: 'so, und jetzt eine zigarette!' (den schwachsinn hab ich im zuge meiner scheidung gemacht, als ich vor rund 10 jahren wieder zu rauchen begonnen habe...) doch wozu sollte ich eine rauchen? als "belohnung"? sollte ich mir "als belohnung" beim auftreten eines problems (einer herausforderung!) noch ein viel größeres, mein persönlich größtes, mitaufhalsen? ich bin zwar verrückt, doch nicht (mehr) so verrückt! zigaretten können ja in wahrheit nix! als "belohnung" taugen sie nur in der phantasie eines suchtkranken, in der realität schon nicht mehr. hätte ich beim beginn meiner geschäftskrise eine geraucht, so hätte ich nicht nur ein weiteres riesenproblem am hals gehabt, sondern auch die bittere enttäuschung und bestätigte erkenntnis, daß zigaretten vor allem grauslich sind.

irgendetwas fehlt mir oder vielleicht scheint es mir nur, daß es etwas fehlt. auf meiner suche beschreite ich auch neue wege (im herbst mache ich erstmals seit 20 jahren 5 wochen urlaub am stück!!!), doch vielleicht fehlt mir da und dort der mut oder die entschlossenheit oder schlicht des feste wille und entschluss. ich bin bequem und ertappe mich dabei, daß mir einfache lösungen gefallen: z.b. daß es das rauchen wäre, daß mir fehlte. der dreck kann nix außer krank machen und töten.

vielleicht schaffe ich es einmal meinen fokus nicht nur (wie bereits geschehen) vom rauchen, sondern auch vom nichtrauchen zu lösen. vielleicht gehören jene, die hier aus den blogs verschwinden, zu diesen beneidenswerten geschöpfen. es braucht ja absolut keine argumente und großartigen diskussionen um mit dem rauchen schluß zu machen. dutzende gute unleugbare gründe liegen auf der hand.

so will ich mich nun bemühen mich ganz bewusst auf mein leben zu konzentrieren und was ich daraus mache. was das rauchen betrifft gefällt mir die zusammenfassende einschätzung von Yul Brynner sehr gut. "...don't smoke, what ever you do: just don't smoke!" (http://www.youtube.com/watch?v=JNjunlWUJJI&feature=youtube_gdata_player)

bleibt sauber!

Johannes

Johannes am 15.07.11 08:24

Kommentare

IWA11 | 10:38 Uhr - 15.07.1119 Monate - eine unvorstellbar lange Zeit ...!Ich wünsche mir, dass auch ich nach 19 Monaten ohne Zigaretten eine derart wortgewaltige Message verfassen werde - mal sehen. Es sind sehr viele Sätze in Deinem Schreiben, Johannes, die einen wirklich nachdenklich stimmen und ermutigen, mit dem angefangenen Projekt, nämlich Nichtraucher zu werden, weiter zu machen. Alles, was mir noch an unerfreulichen oder auch möglicher Weise niederschmetternden Dingen widerfahren sollte, kann und darf nie der Auslöser dafür sein, sich durch das Rauchen noch mehr kaputt zu machen. Damit macht man die Situation nur schlimmer.
Dass die Raucherei dem Körper wirklich zusetzt, habe ich immer gespürt, aber ich wollte das auf keinen Fall wahrhaben, weshalb ich es immer verdrängt oder bagatellisiert habe (viele Raucher merken lange Jahre ja überhaupt nichts!)
Jedesmal, wenn ich mir am Tag die erste Zigarette angezündet habe, bekam ich entweder ehöhtes Herzklopfen oder mir wurde schwindlig. Was ich auch bemerkte, war, dass mein Tatendrang und mein Energieschub in dem Moment schrumpfte, in dem ich mir erst einmal "in Ruhe eine Zigarette gegönnt habe". Das ist nun seit ein paar Tagen nicht mehr der Fall - ich habe tatsächlich mehr Zeit gewonnen (mit der ich im Augenblick etwas ratlos umgehe, da die Gier derzeit noch in meinem Kopf herumtobt und mir suggeriert, dass das Gemüglich-Hinsetzen, Kaffeetrinken und Meinen-Teich-beobachten ausschließlich mit Zigarette Spaß macht und erholsam ist, leider. Dennoch will ich Deinem Beispiel folgen, Johannes, und mich mit vielen Deiner Aussagen stärken. Danke dafür. Ich bin gespannt, ob 5 zusammenhängede Urlaubswochen Deine Vorsätze (nicht zuviel fressen u.ä. :-)) ins Wanken bringen können. Ich wünsche Dir viel Glück dabei. Ich konzentriere mich auf das Nichtraucherwerden in den 3 im August auf mich zukommenden Urlaubswochen. Ja, die werden sicher eine echte Herausforderung werden.
Alles Gute und nochmals Gratulation mit tiefster Bewunderung!

Sassihbc | 12:02 Uhr - 15.07.11Hallo Johannes,

unglaublich, überwältigend, beeindruckend und gigantisch!

Deine Beiträge sind immer wieder ein Genuss! Nach dem ich nun schon einige Zeit Deine Beiträge verschlinge, frage ich ich immer wieder :" Wie schafft es dieser Mensch immer wieder so viele gute Worte aneinander zu reihen, ohne das es langweilig wird?" Hut ab!

Mit Deinem Gewichtsproblem ist es tatsächlich exakt das Gleiche wie mit dem Rauchen. Es liegt in uns selbst, zu entscheiden wie wir das Nichrauchen kompensieren. Du hast halt derzeit noch das Essen genutzt. Ich bin aber der Überzeugung, dass Du genauso gut von dem Gewicht runter kommen wirst wie von dem Dreckszeug. Es muss nur wieder Klick machen in Deinem Hirn, dann bist Du (wie es scheint) sogar fähig Berge zu versetzen!

Ein gigantisches Wochenende Dir!


Lieben Gruß Sassi